Ambiguitätstoleranz als unterschätzte Superkraft und ein aktuelles Bespiel aus meiner Arbeit.
2 Führungskräfte. 2 High Performer. Hohes eigenes Energielevel.
Hohes Arbeitspensum. Unklare Erwartungshaltung „von oben“. Privat in vielen Verbindlichkeiten eingebunden. Beruflich und privat zeitlich stark getaktet.
Führungskraft 1:
…“Ich brauche eine klare Linie. Ich muss wissen, was von mir erwartet wird. Aufgaben, Verantwortung und Zuständigkeiten müssen von oben klar aufgeteilt und kommuniziert werden.“
Neigt dazu schnell zu entscheiden und umzusetzen. Betont Zeitnot. Sagt Ja und meint Nein. Ordnet Verbindlichkeit und psychologische Sicherheit als zeitlichen Luxus ein. Schließt Widersprüche aus. Sieht Komplexität als Arbeitshemmung. Vermeidet Reflektion während des Arbeitens. Setzt auf Standardprozesse und hält an ihnen fest. Zu viele Mails, um alle zu beantworten. Wahrnehmungsfokus nach oben und unten: Geschäftsführung/ Mitarbeitende. Wird von Kollegen und Vorgesetzten gebraucht und grenzenlos genutzt. Entweder-Oder ist das Entscheidungsziel.
Führungskraft 2:
…“Ich spüre Spannungen. Es ist unklar und das darf es sein. Im wöchentlichen Jour fixe versuche ich bewusst Herausforderungen zu schildern, um einen neuen Umgang zu fördern- das ist hier nicht meine Rolle- gleichzeitig, bin ich am Kunde und vertrete alle Kollegen, die mit mir am Tisch sitzen- das setzt voraus, dass ich meine Kollegen verstehe: ihren Druck und ihre Ideen zum Umgang damit. Ich brauche ihre Gedanken und Stimmungen, um am Kunde passend auf Herausforderungen zu reagieren.“
Schildert beschreibend sein Tätigkeitsfeld. Fragt nach anderen Perspektiven. Hört zu. Hält das Unklare und Unbequeme aus. Reguliert und übersetzt eigenen Druck. Wahrnehmungsfokus nach rechts und links: Führungskollegen. Sucht schrittweise nach Sowohl-als-auch und Verbündete für Spannungsfelder innerhalb des Kollegen-Kundendreiecks.
Was unterscheidet beide?
Ambiguitätstoleranz.
Ambiguitätstoleranz beschreibt die Fähigkeit, mehrdeutige, widersprüchliche oder unklare Situationen innerlich auszuhalten, ohne vorschnell einfache Antworten zu suchen.
Ambiguitätstoleranz ist die unterschätzte Superkraft unserer Zeit. Weil sie handlungsfähig hält. Weil sie Denkblockaden löst. Weil sie Entsolidarisierung entgegen wirkt.
Lässt sich Ambiguitätstoleranz trainieren? JA!
Folgendes kann im Achtsamkeitstraining fokussiert trainiert werden:
Kognitive Flexibilität stärken:
Widersprüche nicht als Fehler sehen, sondern als Denkchance. Multiperspektivität als Gewinn.
Urteilsaufschub trainieren:
Eine Verzögerung zwischen Reiz und Reaktion trainieren. Wahrnehmen. Beschreiben (nicht bewerten). Teilnehmen.
Ungewissheit regulieren:
Innere und äußere Anspannung wahrnehmen, ohne sie sofort auflösen zu müssen. Impulsdistanz fördern.
WANN BEENDEST DU DEN KLEINKRIEG (IN DEINEM KOPF) und FÄNGST AN ACHTSAMKEIT ZU TRAINIEREN?
